Mario Vargas Llosa: Lob der Stiefmutter

Wenn auch leicht verspätet – hier der letzte Beitrag zur Bücherchallenge Nr. 2. Mein Bericht über “Lob der Stiefmutter” von Mario Vargas Llosa – oder der Versuch eines Berichts. Nach “Das Böse Mädchen” war “Lob der Stiefmutter” das zweite Buch, welches ich von Mario Vargas Llosa gelesen habe und ich hatte mich gestern Abend voller Vorfreude mit dem relativ dünnen Band aufs Sofa gesetzt, um nach Ende der Lektüre nicht recht zu wissen, was ich von diesem Werk halten soll.

Die Hauptpersonen in diesem Buch sind Don Rigobero, seine zweite Frau Doña Lukrezia und sein Sohn Alfonso. Die Beziehung zwischen Don Rigobero und seiner Frau beruht vor allem auf der gegenseitigen erotischen Anziehungskraft. Jeden Abend gibt sich Don Rigobero einer bestimmten Waschzeremonie hin, um seinen Körper und seinen Geist auf die (Liebes-)Nacht mit Doña Lukrezia vorzubereiten. Jede Nacht geben sich die beiden ihren Liebesspielen nach den Fantasien des Don Rigobero hin. Aber auch sein Sohn Alfonso liebt seine Stiefmutter und sie muss bald feststellen, dass es nicht die Liebe eines unschuldigen zehnjährigen Kindes ist, die er ihr entgegenbringt. Sie verfällt den Reizen des Kindes und muss letztendlich erkennen, dass Alfonso nicht der kleine, unschuldige Engel ist, den er verkörpert, sonder verschlagen und hinterlistig.

Zwischen den einzelnen Kapiteln, die die Handlung dieser Geschichte erzählen, schiebt der Autor immer wieder Kapitel ein, die sich auf die griechische oder römische Mythen beziehen oder erotische Bilder beschreiben, die auch im Buch abgedruckt sind.

Ich kann nicht sagen, dass mir das Werk nicht gefallen hätte oder es mich nicht gefesselt hätte. V.a. sprachlich gab es einige wunderschöne Szenen in diesem Buch.Aber es ist auf der anderen Seite auch nicht so, dass ich das Gefühl hätte, etwas verpasst zu haben, wenn ich das Buch nicht gelesen hätte.

Alles in allem ein eher unbefriedigender Abschluss der Bücher-Challenge. Aber da es bereits eine Interessentin für eine nächste Bücher-Challenge gibt, werde ich wohl im November einen dritten Anlauf starten, mehr Mitleser zu motivieren. Themenvorschläge sind dabei auch willkommen!

W. Somerset Maugham: Der Magier

Buch Nr. 4 – “Der Magier” von W. Somerset Maugham wieder ein Buch aus der SZ-Reihe, wieder – wie schon beim “Dritten Mann” – mit einem Vorwort des Autors. Dieses Mal stimmt das Vorwort aber fröhlicher: der Autor gibt immerhin an, dass ihn das Buch, als er es ca. 50 Jahre nach Enstehen gelesen hatte, gefangen genommen hat. Wenn zumindest der Autor sein Buch so gut fand, dass er es neu auflegen ließ, kann es so schlecht ja nicht sein…

Nach Vorwort und Klappentext dann erst mal der Griff zum Lexikon (kein Treffer) und dann ins Internet auf der Suche nach Aleister Crowley, dem Vorbild für diesen Roman, laut Wikipedia einem Magier, Mystiker, Okkultisten und Sohn eines wohlhabenden Brauereibesitzers.

Gespannt machte ich mich an den Anfang des Werkes und ließ mich auch von der Unterüberschrift “ein parapsychologischer Roman” nicht schrecken.

Leicht und harmlos beginnend, hat mich das Buch, welches um 1900 spielt, dann ziemlich schnell in seinen Bann gezogen.

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen fünf Personen: Margaret und ihr Verlobter Arthur, Margarets Freundin Susan, der gemeinsame Freund Dr. Porhoët sowie Oliver Haddo – der Magier. Haddo, der es mag, die Menschen um ihn herum zu provozieren, setzt sich überall unangehm in Szene, ist hässlich und abstoßend. Sein Ziel ist es, künstliche Menschen – sogenannte Homunculi – zu erschaffen, wozu er Menschenblut benötigt. Es gelingt ihm – mit Hilfe von Magie/Hynose? – Einfluss auf die schöne Margaret zu bekommen und sie hörig zu machen. Sie heiratet ihn schließlich und ist fortan völlig abhängig von ihm. Alle Versuche ihrer drei Freunde, sie aus den Fängen dieses Mannes zu befreien, scheitern, Margaret kommt nicht von Haddo los, sie gibt sich auf und stirbt schließlich – woran bleibt der Phantasie des Lesers überlassen. Arthur, der bis dahin alles magische als unreal abweist, erkennt, dass er den Magier nur mit seinen eigenen Mitteln schlagen kann und es kommt zum “großen Finale”.

In zum Teil wunderschönen Sätzen, v.a. in den Teilen, in denen Haddo mit seinen Worten versucht, Margaret in seinen Bann zu ziehen, baut der Autor seine Geschichte auf. Der Drang, das Buch nicht mehr aus der Hand zu legen, wurde bei mir immer größer, je weiter die Erzählung voranschritt. Gleichzeitig spürte ich aber auch langsam eine Beklemmung in der Brust, die immer größer wurde, je weiter sich die Geschichte dem Ende zuneigte und “ihren Höhepunkt” im Labor des Magiers fand, wo er seine Versuche, die Homunculi zu erschaffen, unternahm.

Ein in meinen Augen wirklich gelungenes und lesenswertes Buch, welches ich wohl ohne die Bücher-Challenge nicht so schnell in die Hände genommen hätte. Dafür hat sich diese “Tour” schon gelohnt! Prädikat: empfehlenswert!!!

Ein Buch steht nun noch aus und ich bin schwer gespannt auf “Das Lob der Stiefmutter” von Mario Vargas Llosa und mache mich literarisch auf nach Lima.

Eine Amerikanerin lüftet den Eisernen Vorhang

5.0 von 5 Sternen

Lois Fisher-Ruge – 1940 in den USA geboren, als Ehefrau des deutschen Journalisten Gerd Ruge verschlug es die Autorin vorliegenden Buches damals für drei Jahre nach Moskau (bis Januar 1981), zu einer Zeit, als der Kalte Krieg noch nicht beendet, die UdSSR Weltmacht war und die KPdSU die Zügel fest in ihren Händen hatte.

Der Neugierde von Frau Fisher-Ruge ist es zu verdanken, dass hier ein kurzweiliges und dabei informatives Buch entstand, welches den Alltag des Mittelstandes in Moskau beschreibt – so hat die Autorin Freundschaften geschlossen, welche Türen in gewöhnliche Haushalte öffnete und dem Leser somit Einblicke in das Alltagsleben russischer Familien ermöglicht.

Die Autorin bewertet und urteilt nicht, sie erzählt ganz einfach – im Focus hat sie dabei zumeist ihre russischen Freundinnen, an deren Seite sie ihre geschilderten Erfahrungen sammelt.

Von den Schwierigkeiten, ein Auto zu kaufen, eine Wohnung zu mieten, oder einfache Konsumgüter des täglichen Bedarfs zu beschaffen, wird ebenso berichtet, wie es um Freizeitgestaltung, Mode, Heirat, Schwangerschaften und viele andere Themen geht…

In der Tat wäre es schön, hätte man Gelegenheit nachzulesen, was aus den hier beschriebenen Menschen wurde, wie sich deren Lebensentwürfe in der Zwischenzeit entwickelten.